FAQ

Die Revision im Strafrecht

Redaktionell aktualisiert am 18. September 2026 · Redaktion: Rudolph Rechtsanwälte

Die Erfolgsaussichten einer Revision sind statistisch gering. Nach einer etwas älteren Statistik waren nur ca. 15 % der Revisionen zum Bundesgerichtshof  in Karlsruhe erfolgreich, endeten also mit einem Freispruch oder einer Zurückverweisung an das entscheidende Gericht. Die Zahl dürfte in den letzten Jahren sich sogar noch weiter reduziert haben.

Die geringen Erfolgschancen liegen nicht zuletzt am Wesen der Revision an sich. Während bei der Berufung eine erneute Verhandlung mit einer neuen Beweisaufnahme erfolgt, es sich also um eine “zweite Tatsacheninstanz” handelt, beschränkt sich die Revision von vornherein nur auf eine rechtliche Überprüfung des Urteils. Eine Hauptverhandlung vor dem Revisionsgericht – also dem Oberlandesgericht oder dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe – findet nur in sehr seltenen Ausnahmefällen statt.

Es muss dem Strafverteidiger also gelingen, das Revisionsgericht davon zu überzeugen, dass dem Ausgangsgericht (i.d.R. Amtsgericht oder Landgericht) entweder Fehler bei der Anwendung des materiellen Strafrechts oder des Strafverfahrensrechts unterlaufen sind. Da es hier entscheidend auf die Kenntnis der höchstrichterlichen Rechtsprechung ankommt und detailliert begründet werden muss, worin der Fehler in der Rechtsanwendung bestand und warum ausgerechnet deshalb das konkrete Urteil fehlerhaft ist, wird die Revision nicht selten als Königsdisziplin der Strafverteidigung gesehen. Erfolgreiche Revisionen sind in der Praxis nur wenigen Spezialisten und überdurchschnittlich qualifizierten Strafverteidigern vorbehalten.

Das soll aber nicht heißen, dass die Revision von vornherein aussichtslos ist oder zwecklos ist. Gerade in großen Verfahren mit komplexen Sachverhalten und lange andauernder Beweisaufnahme können engagierte Strafverteidiger den Prozess entscheidend beeinflussen. Dabei kann unter Umständen auch nur ein kleiner, aber entscheidender Fehler des Gerichts genügen, um sich die Tür zur Revision offen zu halten. Die erfolgreiche Revision beginnt somit oft schon in der Hauptverhandlung.

Oder, anders aus gedrückt: Die beste Revision ist diejenige, die gar nicht erst eingelegt werden muss. Je früher die Strategie eines guten Strafverteidigers ansetzt, desto kraftvoller ist sie.

Wer eine Verletzung des Zweifelssatzes geltend machen will, muss zwischen dem Ergebnis einer anderen persönlichen Bewertung und einem Rechtsfehler des Urteils unterscheiden. Eine Verletzung des Zweifelssatzes wird grundsätzlich mit der Sachrüge beanstandet. Davon zu unterscheiden sind Verfahrensrügen, für die eigenständige Darlegungsanforderungen gelten. Eine Revision ist daher nicht die bloße Wiederholung der Tatsachenverteidigung aus der Hauptverhandlung.

Wenn sich die Verfügbarkeit eines Beweismittels ändert

Ändert sich nach der Ablehnung eines Beweisantrags die Verfügbarkeit eines Beweismittels, sollte die Verteidigung die neue Lage ausdrücklich vortragen und erforderlichenfalls einen neuen Beweisantrag stellen. Der BGH unterscheidet zwischen beweisthemenbezogenen und beweismittelbezogenen Ablehnungsgründen. Der Kontinuitätsgrundsatz gilt grundsätzlich für die erste Gruppe; aus dem späteren Wegfall eines Zeugnisverweigerungsrechts folgt nicht automatisch die Pflicht, einen früher abgelehnten Antrag erneut zu bescheiden. Die gerichtliche Aufklärungspflicht bleibt bestehen (BGH, Beschluss vom 28. April 2026 – 1 StR 269/25, Rn. 43–52).

Weiterführend: „Aussage gegen Aussage“ – Reicht das für eine Verurteilung?

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