Strafrecht

Woher weiß ein Richter, dass ein Angeklagter die ihm vorgeworfene Tat wirklich begangen hat? Woher weiß er, dass ein Geständnis wirklich von Reue getragen ist? Wie hart muss eine Frau bestraft werden, die ihre Kinder entgegen einer Anordnung des Jugendamtes nicht an den Vater herausgibt, da sie fürchtet, dieser könne Gewalt ausüben? Welche Strafe hat ein Jugendlicher verdient, der blauäugig seinem Kumpel ein ebay-Konto zur Verfügung gestellt hat, und nun für dessen Umsatzsteuer in Höhe von mehreren hunderttausend Euro haften soll?

All diese Fragen lassen verschiedene Antworten zu. Die schwierige Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit ist oft unbequem und konfliktanfällig.

Dem Strafverteidiger kommt in dem Prozess der Wahrheitssuche eine zentrale Funktion zu.

Dem Angeklagten in einem Strafprozess stehen einige Rechte zu. Diese Rechte haben ihre Wurzeln in der Menschenwürde, im Gebot der Fairness und in der Unschuldsvermutung. Wichtige Verteidigungsrechte sind beispielsweise das Recht zu schweigen, einen Verteidiger zu benennen oder aktiv durch Beweisanträge auf den Prozess Einfluss zu nehmen. All diese Rechte des Angeklagten machen den Rechtsstaat aus. Was aber wären die Garantien des Rechtsstaats wert, wenn ein unschuldiger Angeklagter sie nicht kennt oder sie im Prozess nicht beachtet würden?

Die Aufgabe des Strafverteidigers ist es, den Angeklagten über seine Rechte aufzuklären und sich für deren Einhaltung einzusetzen. Gegebenenfalls muss die Einhaltung der prozessualen Spielregeln auch nachdrücklich vom Strafverteidiger eingefordert werden.

Im Strafprozess geht es nicht nur um prozessuale Rechtsfragen, sondern auch immer wieder darum, ob tatsächlich der richtige Angeklagte auf der Anklagebank sitzt. Um dies herauszufinden, müssen manchmal von Seiten der Verteidigung unbequeme Fragen gestellt werden. Wenn der Weg der Wahrheitsfindung streitig und steinig  ist, ist es die Aufgabe des Verteidigers,  „das Unerhörte zu Gehör zu bringen.“

Ein Strafverteidiger muss bereit sein, Konflikte für den Mandanten im Prozess auszuzutragen und sich sowohl in den Angeklagten als auch in die Zeugen hineinversetzen zu können, um das Gespür für die realistischen Chancen im Prozess nicht zu verlieren.

Strafrecht ist nicht gleich Strafrecht. Die unseren Mandanten vorgeworfenen Taten reichen von kleineren, vermeintlich weniger schwerwiegenden Fällen, wie beispielsweise Schwarzfahren, Verkehrsstraftaten oder kleineren Betäubungsmitteldelikten bis hin zu umfangreichen Betrugsfällen, Gewalt- und Kapitaldelikten.

Im Rahmen unserer Tätigkeit als Strafverteidiger liegt einer unserer Schwerpunkte im Bereich des Wirtschafts– und Steuerstrafrechts. Dazu gehören alle Straftaten, die Bezug zum Wirtschaftsleben haben. Zu nennen sind beispielsweise Betrug, Korruption, Insolvenzstraftaten und Steuer­hinterziehung. Hier ist neben besonderer juristischer Qualifikation auch Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und Bereitschaft zum Blick über den Tellerrand gefragt.

Im Internetstrafrecht geht es beispielsweise um die Strafbarkeit von Phishing, die Zulässigkeit bestimmter prozessualer Ermittlungsmethoden, den Besitz oder die Verbreitung illegaler Inhalte sowie typische Erscheinungsformen moderner Kriminalität (z.B. ebay-Betrug). Rechtsanwälte, die im Internetstrafrecht tätig sind, stehen vor besonderen Herausforderungen durch die schnellen technischen Entwicklungen. Die klassischen Felder des Strafrechts werden durch Überschneidungen mit Fragen des Urheberrechts, des Wettbewerbsrechts oder des Wirtschaftsrechts erweitert.